Auf dem Bild ist die Schubart-Literaturpreisträgerin am Rednerpult und das Publikum zu sehen.

2013 Schubart-Literaturpreis

Hauptpreisträgerin 2013 des Schubart-Literaturpreises ist die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck. Die Jury würdigt mit dieser Auszeichnung vor allem den Roman „Aller Tage Abend“, der im Herbst 2012 erschienen ist. Den mit 2.500 Euro dotierten Förderpreis erhält Patricia Görg. Ihr im Berlin-Verlag 2012 erschienenes „Handbuch der Erfolglosen – Jahrgang zweitausendelf“ ist scheinbar eine Chronologie des Jahres 2011, die Autorin aber verdichtet die Geschehnisse der Kalenderwochen des Jahres und begegnet diesen mit Exkursen und Fallgeschichten.

Schubart-Literaturpreisträgerin 2013: Jenny Erpenbeck

Die Wiener Professorin Dr. Konstanze Fliedl lobte in ihrer Laudatio Erpenbecks sprachliche Konzentration. „Kürze ist ein Gebot der Klugheit. Aufklärung wird nicht durch Ausschweifigkeit möglich.“ Diese Verknappung Erpenbeck erzählt in ihrem Werk die Geschichte des 20. Jahrhundert in einer Person  gehe einher mit stilistischer Konzentration. Dabei verfolge Erpenbeck ein Verfahren des „paradoxen Nichterzählens“, das sich den Lesenden erst erschließe, wenn sie den ausgelegten Spuren folgten. Ihre Bilder seien „Goldreserven des Schweigens“, so Fliedl. Die Preisträgerin beschrieb Schubart, den sie erst durch den Literaturpreis kennengelernt habe, als Grenzgänger und „zu groß für diese Welt“. Im Grenzdialog zwischen Schubart und Erpenbeck lotete die Preisträgerin aus, „was ist und was nicht ist“.

Förderpreisträgerin 2013: Patricia Görg

Einen Gegenentwurf zu Tagebüchern, die als Zeugnisse des übergroßen Einzelnen zu lesen sind, liefert Patricia Görg im „Handbuch der Erfolglosen“. Wie der Laudator Prof. Dr. Wilfried Schollere erläuterte, breite Görg in den Aufzeichnungen über das Jahr 2011 den Stoff trocken aus: Themen wie Fukushima, die Rettung des Euro, Revolutionen in den Ländern Nordafrikas, das Ende des Eisbären Knut blieben sachlich und nüchtern. „Es gibt kein Tremolo der Betroffenheit, Moral ist die exakte Beobachtung.“ Und es werde deutlich, wie schnell Wissen verblasse.

„Ich fühle mich im Geiste mit Schubart verbunden“ gestand die Förderpreisträgerin und gab eine Kostprobe, wie sie das Tagebuch fortgesetzt hätte: vom Vergnügungswrack, „unserer XXL-Hybris“ Costa Cordalis über Christian Wulff, Thomas Gottschalk, Rainer Brüderle und anderen, ergänzte sie den anekdotischen Reigen. „An Schubart, den Mutigen, Scharfzüngigen und Trinkfesten, erinnern in Aalen eine Büste in der Altstadt und dieser Literaturpreis. Er hätte wahrlich mehr verdient“, fügte sie in Schubartscher Tradition mit Bezug zur aktuellen Museumsdiskussion an.